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UBER MICH

Die Schönheit des Moments

In unserer gegenwärtigen Welt der Multi-Krise stehen wir vor überwältigenden Herausforderungen, die uns regelmäßig mit dem Gefühl der Ohnmacht zurücklassen. Wir verpassen Chancen zu echter Begegnung, die Schönheit des Augenblicks entgeht uns, weil uns die Anstrengung, das Leben unter Kontrolle zu haben, erschöpft. Mit meiner Musik möchte ich Räume schaffen, die uns in den Moment zurückbringen. Räume, in denen Visionen gedeihen und Begegnung geschieht.

Jazz in Florida

Dass Improvisieren etwas sein kann, was Menschen so ernst nehmen, dass sie es als leidenschaftlichen Kern ihrer Arbeit betrachten, war mir lange Zeit nicht klar. Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen. Richtig-Machen war die Devise. Der Enge der schwäbischen Kleinstadt entkam ich mit einem Stipendium für ein Auslandsjahr an einer High School in Florida, USA. Dort begegnete ich erstmals Musik aus einem völlig anderen Zusammenhang – Jazz. Das war’s! Das wollte ich spielen! Diese Energie, dieses Versprechen von Freiheit! Ich lernte autodidaktisch Saxophon und verschaffte mir Zugang zur Jazzband der Schule.

Richtig-Machen

Die Rückkehr nach Deutschland brachte mich in eine künstlerische Isolation. Ich vermisste diesen Funken, den der Jazz entfacht hatte. Ich fand ihn weder als Saxophonistin im Landesjugendjazzorchester noch als Flötistin im klassischen Musikstudium. Richtig-Machen war wieder angesagt. Ich gründete eine Familie und verpackte die Musik vorerst in familienverträgliche, alltagstaugliche Häppchen.

Automatenkaffee, Windeln und magische 10 Minuten

Mitten im Alltagsgewusel traf ich dann einen alten Musiker-Freund. Er war für Proben und Aufnahmen mit der hr Bigband in der Stadt, und wir schafften es, ein kurzes Treffen mit Automatenkaffee zu arrangieren. Die Begegnung warf Fragen auf: War meine Sehnsucht nach Freiheit und Lebendigkeit in der Musik zwischen den Windeln meiner Kinder und einem familienfreundlichen Job als Musiklehrerin stecken geblieben? Wo war dieser Funke, den der Jazz in mir entfacht hatte? Ich machte mich auf. Mit zehn Minuten Übezeit täglich eroberte ich mir die Musik zurück.

Es muss etwas passieren!

Eines Abends, nach einem langen und anstrengenden Tag, radelte ich doch noch ins Konzert, obwohl es eigentlich schon wieder viel zu spät war. Ein Saxophonist, bei dem ich sporadisch Unterricht genommen hatte, spielte mit seiner New Yorker Band. Da musste ich einfach hin. Es war Herbst, dunkel und kalt. Ich trat in die Pedale. Wenigstens die zweite Hälfte würde ich noch schaffen.

Ich schaffte es zum letzten Stück. Der Laden war gut besucht, das Konzert in vollem Gange. Ich stellte mich an die Bar und wurde in die Musik förmlich hineingezogen. Die Band spielte mit einer Unkonventionalität und Freshness, die mich begeisterte: Da war er wieder, der Funke! Und diese Freiheit im Spiel! Es war eine Aufforderung, meine Vision ernst zu nehmen und mutig meinen Weg zu gehen. Zehn Minuten täglich reichten nicht, ich musste grundlegend etwas ändern! Auf dem Nachhauseweg machte ich Zwischenstopp in einer Kneipe ums Eck, bestellte einen Sekt und markierte feierlich meinen Aufbruch.

Musikerin nach eigenen Regeln

Ab diesem Moment eroberte ich Jazz- und Free-Sessions, verließ mich auf meine Intuition und tauchte ein in die Berliner Szene improvisierter Musik. Ich engagierte mich, organisierte Impro-Tagungen, unterrichtete Improvisationsensembles an der Musikhochschule und ging für einen Master in Improvisation nochmal studieren.

Seither arbeite ich als Musikerin und Performerin und trete regelmäßig in diversen Besetzungen und Performance-Projekten auf. Improvisation ist aus meinem künstlerischen Schaffen nicht mehr wegzudenken.

Richtig-Machen reicht mir nicht, ich brauche Freiraum. Meine Neugier und die Lust am Unvorhergesehenen tragen mich voran. So wie ich selbst voller Inspiration aus diesem Jazz-Konzert im Herbst herauskam, so wünsche ich mir, durch meine eigene künstlerische Arbeit andere Menschen zu inspirieren. Ich möchte ihnen einen Raum eröffnen für Verbundenheit, Mut und Visionen – einen Raum, der ihren eigenen Funken befeuert.

Bleib dran!

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