AKTUELLES ALBUM auf Bandcamp ERHÄLTLICH!
Dieses Album eröffnet den Hörer*innen die Möglichkeit, die improvisierte Entstehung der Musik nachzuvollziehen. Die drei Stücke lassen sich Zeit und dringen immer wieder in unerwartete Energiezustände und Farbwelten vor. Auch weniger erfahrene Hörer*innen erleben diese Entwicklung mit, mal suchend und tastend – mal determiniert. Sie werden eingeladen, beim Hören in eigene innere Welten abzuschweifen.
Veröffentlichung auf allen Streaming Plattformen – außer Spotify – am 30. Januar 2026!
Hans-Jürgen Linke über das neue Album
Aber um irgend etwas muss es doch gehen. Auch wenn einfach drei Menschen miteinander spielen und dazu ihre Musikinstrumente benutzen, ohne dass ein Thema festgelegt, ein Verlauf abgesprochen, eine Klangstrategie definiert wäre.
Einiges ist immerhin vorhanden: eine Spielerin, zwei Spieler, ihre Einstellungen mit- und zueinander und zu ihren Instrumenten. Dann der Ort: Bühne oder Studio (das macht manchmal kaum einen Unterschied und in anderen Fällen einen großen). Schließlich die gemeinsame Absicht, dass etwas entstehen soll, unabhängig von Vorgaben, aber im Zusammenklang, in der Verständigung und Kooperation.
Ein Trio ist eine Dreifaltigkeit und darum auch ein bisschen geheimnisvoll: Allein spielt man eigene Erfahrung aus, im Duo spielt man sich Bälle zu, im Trio tut man beides und manchmal mehr oder auch weniger. Dabei entsteht ein gemeinsamer Raum, der fast autonom erscheint, sich von jedem Einzelnen und seinen Absichten löst, an dem aber alle drei teilnehmen und in dem vieles vorkommen, gefunden und getan werden kann.
Auch wenn es keine bindenden Absprachen gegeben hat, findet zunächst etwas wie eine Einigung statt: das Schlagzeug schickt Besenrascheln auf Snare und Toms, dazu freundliches Beckenstreicheln ohne weitere metrische Absicht in die Runde. Das Saxofon stellt eine Reihe melodischer Fragmente vor und legt sie zurecht. Das Klavier gibt Einzeltöne im Diskant dazu, behutsam, und baut daraus kleinere Akkorde. Daraus erwächst wie von selbst eine Verdichtung. Immer noch hört man weit und breit keine Bass Drum. Es wird rauer, intensiver, bis das Saxofon sich an den Rand begibt, eine gespannte Ruhe kehrt ein. Für die Saxofonistin kommt eine Phase der Luftgeräusche, der Pianist arbeitet im Flügel an den Saiten, nach wie vor kein Grund, eine Bass Drum zu benutzen. Von drei Seiten wachsen die Geräusche wieder zusammen. Das Saxofon entwickelt eine melodische und artikulatorische Beharrlichkeit, an der sich der Spielprozess kristallisieren kann. Die grüblerisch verbrachte Zeit bis zum Ende ist nicht kurz, aber voller feiner Ereignisse. Waterfall Weir.
Im Frozen Lake gibt es viel Bewegung, aber keine stürmische. So dass die Aufmerksamkeit für das, was geschieht, sich gut verteilen kann. Die Flöte verzichtet auf elfenhaftes Flirren und mischt sich mit gutem, oft dunklem Nachdruck ins Geschehen, begibt sich in überraschende Duos mit der Stimme der Flötistin, ihrem Schnalzen, den windigen Klängen einer Luftsäule, eigenen Klappengeräuschen. Es gibt so viel Leben im gefrorenen See. Der Pianist und der Schlagwerker lassen ihre Flötistin nicht allein damit, sie hören genau hin.
Ice Heave. Das Tempo ist hoch, mit dem Material wird zunächst sparsam umgegangen: kürzelhafte Figurinen vom Saxofon, vom Klavier, aber das Schlagzeug will weiterkommen. Etwas wie eine polyphone Erregungskurve entsteht. Eine Zeit lang ist das Saxofon vorn, dann das Klavier, das Schlagzeug ist sowieso immer überall. Der Energie-Level ist weit oben, ohne dass es allzu laut würde. Sollte man vielleicht mitten im Getümmel und hohen Materialaufwand noch einmal neu einsetzen? Ach nein. Aber etwas mehr Ruhe geben. Das Trio sortiert sich zu einer liedhaften Passage mit der vielschichtig wohlklingenden Saxofonistinnenstimme. Mähliches Fading.
Zu dritt zu spielen und sich dem Spielprozess auszuliefern, das ist eine Probe aufs Exempel. Ein Ernstfall, aber nie und nimmer ein un-determinierter Vorgang. Niemand kann sich verstecken, niemand ist allein.
Auch wenn das Spiel, das gespielt wird, keine Themen und festen Regeln hat wie Mensch-ärgere-dich-nicht, gibt es Material, mit dem man spielt. Es gibt Anfang und Ende, dazwischen Entwicklungen, die nicht vorhersehbar waren. Zustände und Bewegungen von Energie. Konsens und Dissens. Es gibt, wirklich!, große und kleine, aktuelle und tiefsitzende Gefühle in verschiedenen Mischungsverhältnissen und Dringlichkeiten. Es gibt Vorschläge, Folgebereitschaft, Verweigerung und eigene Wege, die gesucht, vorgeschlagen, eingeschlagen werden. Manchmal kommt es zur gemeinsamen Erschaffung von wahrhaften Klang-Gegenständen mit Kanten und Oberflächen, die eine Weile halten. Es gibt eine Aufmerksamkeit für den gemeinsamen Raum, in dem sich ein Geflecht bildet. Es wächst, es formt sich, es pulsiert.
Es gibt so vieles, was es nur in der Musik gibt.