Auch wenn es keine bindenden Absprachen gegeben hat, findet zunächst etwas wie eine Einigung statt: das Schlagzeug schickt Besenrascheln auf Snare und Toms, dazu freundliches Beckenstreicheln ohne weitere metrische Absicht in die Runde. Das Saxofon stellt eine Reihe melodischer Fragmente vor und legt sie zurecht. Das Klavier gibt Einzeltöne im Diskant dazu, behutsam, und baut daraus kleinere Akkorde. Daraus erwächst wie von selbst eine Verdichtung. Immer noch hört man weit und breit keine Bass Drum. Es wird rauer, intensiver, bis das Saxofon sich an den Rand begibt, eine gespannte Ruhe kehrt ein. Für die Saxofonistin kommt eine Phase der Luftgeräusche, der Pianist arbeitet im Flügel an den Saiten, nach wie vor kein Grund, eine Bass Drum zu benutzen. Von drei Seiten wachsen die Geräusche wieder zusammen. Das Saxofon entwickelt eine melodische und artikulatorische Beharrlichkeit, an der sich der Spielprozess kristallisieren kann. Die grüblerisch verbrachte Zeit bis zum Ende ist nicht kurz, aber voller feiner Ereignisse. Waterfall Weir.
Im Frozen Lake gibt es viel Bewegung, aber keine stürmische. So dass die Aufmerksamkeit für das, was geschieht, sich gut verteilen kann. Die Flöte verzichtet auf elfenhaftes Flirren und mischt sich mit gutem, oft dunklem Nachdruck ins Geschehen, begibt sich in überraschende Duos mit der Stimme der Flötistin, ihrem Schnalzen, den windigen Klängen einer Luftsäule, eigenen Klappengeräuschen. Es gibt so viel Leben im gefrorenen See. Der Pianist und der Schlagwerker lassen ihre Flötistin nicht allein damit, sie hören genau hin.
Ice Heave. Das Tempo ist hoch, mit dem Material wird zunächst sparsam umgegangen: kürzelhafte Figurinen vom Saxofon, vom Klavier, aber das Schlagzeug will weiterkommen. Etwas wie eine polyphone Erregungskurve entsteht. Eine Zeit lang ist das Saxofon vorn, dann das Klavier, das Schlagzeug ist sowieso immer überall. Der Energie-Level ist weit oben, ohne dass es allzu laut würde. Sollte man vielleicht mitten im Getümmel und hohen Materialaufwand noch einmal neu einsetzen? Ach nein. Aber etwas mehr Ruhe geben. Das Trio sortiert sich zu einer liedhaften Passage mit der vielschichtig wohlklingenden Saxofonistinnenstimme. Mähliches Fading.